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 Lesestoff zur Anatomie, Physiologie und Medizin
Mark Henderson "Genetik - 50 Schlüsselideen" Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2010
Falls Sie sich für Genetik interessieren, sich aber leicht im Dschungel der vielen wissenswerten Details verlieren, dann ist vielleicht dieser sehr gelungen Führer von Mark Henderson eine echte Hilfe: In angenehmen Plauderton führt Henderson den Leser an einer Zeitleiste (die tatsächlich auch am Fuss der Seiten zu sehen ist) durch die Ideen-Geschichte, durch die Geschichte der Fragestellungen und Experimente der Genetik. Auf diese Weise entsteht eben eine Geschichte mit vielen einzelnen faszinierenden Episoden, und daran im Lesen seine eigenen Vorstellungen abwandelnd - das ist der Reiz und die Leistung dieses hübschen Sachbuches. Ein gutes Konzept, das der Verlag auch mit anderen Themen durchspielt.
 
Michael Bulgakow "Arztgeschichten" Erzählungen. Aus dem Russischen von Thomas Reschke. Sammlung Luchterhand / Random House München 1993. 2. Auflage
Wie verloren und verzweifelt-leichtsinnig das traditionelle Geschäft des Arztes ist, zeigen diese autobiografischen Erzählungen von Bulgakow, der in den 1930er Jahren ein berühmter und final von Stalin verdammter Theater-Autor wurde, zunächst aber Medizin studiert hatte und dann in der Steppe irgenwo als Arzt arbeitete. Kurz nach der Oktoberrevolution spielen diese autobiografischen Geschichten über einen kaum zwanzig-jährigen Arzt, der in der sibirischen Einsamkeit seiner Praxis eigentlich nur durchkommt, weil die menschliche Natur eben doch sehr zäh ist. Anders als Fiktionen wie Gordons "Medicus" ist die von Bulgakow geschilderte Welt real gewesen. So bitter das ist, was geschildert wird - so anrührend ist auch die Verzweiflung des zum Handeln sich verpfilchtet fühlenden jungen Arztes.
 
Gero Vogl "Wege des Zufalls - Tanz der Atome, Invasion neuer Arten, Ausbreitung von Seuchen und Sprachen" Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2011
Hier kommt mal ein Physiker zu Wort - einer, der sich als Hochscullehrer mit Diffusion befasst hat. Und darüber geht das Buch, über die Verteilung von Etwas im Raum - und von der Erforschung dieser Phänomene. Gero Vogl erzählt, aus seinem Uni-Leben und von seinen Reisen, zu Kollegen und in die Vergangenheit. Ein spannendes Buch über ein Thema, das im Unterricht, besonders von engagierten aber ungelenken jüngeren Kollegen, schnell irgendwie spröde wird. Wer das Thema selbst unterrichten (muss) - hier ist viel Schönes zu finden!
blabla
V.S. Ramachandran "Die blinde Frau, die sehen kann" Rowohlt 2002 (Original: "Phantoms in the brain - probing the mysteries of human mind" Harper)
"Rama" ist (wie Oliver Sacks oder Manfred Spitzer) ein berühmter Neurologe, der sich als Wissenschaftler mit dem Phänomen des Phantom-Gliedes befasst hat. So ähnlich wie Phantom-Schmerzen in zB. einem amputierten Fuss empfunden werden können, so können auch ganze Arme oder Beine von unserem Hirn "fantasiert" werden - und zu erheblicher Beeinträchtigung des Lebensgefühls beitragen. Das Spannende an diesem Buch sind die vielen (anonymisierten) Krankengeschichten - die mal vom "blinden Sehen" oder den zum Totlachen gereizten Corpora mammillaria handeln - und die stets wie Krimis erzählt werden und deren neurobiologischer Hintergrund aufgeklärt wird. Ein tolles Buch!
 
Neil Shubin "Der Fisch in uns: Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers" Fischer 2009 (Original: "Your inner fish" Vintage)
Shubin ist ein richtiges Anatomen-Urgestein, insofern er die traditionellen Techniken dieses Faches alle von der Piecke auf gelernt hat. Das hat mich ganz persönlich erfreut zu lesen. Aber eigentlich ist das Buch deshalb spannend, weil es auch zeigt, wie "man" Wissenschaft macht: Planvoll werden mögliche Fundorte für ein bestimmtes Fossil durchdacht und dann erst gezielt eine Untersuchung vor Ort gestartet. Und tatsächlich: Shubin' s Gruppe findet einen ganz frühen Vierbeiner. Wie "Rama" ist übrigends auch Shubin mit Vorlesungen auf YouTube zu finden.
bla
Michael Gershon "Der kluge Bauch" Goldmann 2001 (Original "The second brain - A groundbreaking new understanding of nervous disorders of the stomach and intestine" Harper)
Trotz des reisserischen englischen Titels ist dieses Buch wirklich ein Schatz: Zunächst erzählt wieder ein "alter" Forscher aus seinem (wirren) Leben im jüdischen Ostküsten-Amerika. Schon allein das ist super zu lesen. Dann schildert er recht plastisch den "Weg der Nahrung", wie "man" das auch gerne in Vorlesungen tut, nur eben viel ausschweifender als das vor Publikum möglich wäre. Der letzte Teil hat leider auch einen kleinen Stachel: da merkt man dann doch, dass er dem Serotonin zu viel Raum gibt und Erfolge der Forschung erträumt, die nicht eintraten und wo er ziemlich deneben gelegen ist mit seinen Wünschen vor über 10 Jahren. Aber naja, irren ist menschlich...
bla
 
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