| Stichworte |
Zusammenfassung |
Propriozeptoren
Muskelrezeptoren
MSP |
Unter den Muskelrezeptoren
sind die Muskelspindeln für die Steuerung des Bewegungsablaufes
die wichtigsten Rezeptoren. In großen Muskeln befinden sich
diese Rezeptoren zumeist in einem Bereich, der als sensorischer Bereich,
im Gegensatz zur übrigen Arbeitsmuskulatur dieses Muskels, bezeichnet
werden kann. Es gibt aber auch sehr kleine Muskeln, die praktisch
fast nur aus Muskelspindeln bestehen und fast gar keine Arbeitsmuskulatur
besitzen. Solche kleinen Muskeln werden, besonders wenn sie parallel
zu großen Muskeln und Muskelgruppen angeordnet sind, als Monitormuskeln
verstanden. Sie dienen nicht dazu, eine aktive Bewegung zu ermöglichen,
sondern sie werden als separate Sensoren der großen, parallel
arbeitenden Muskeln aufgefaßt. |
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Muskelspindeln
und Bewegungssteuerung - oben: Bild 1 - |
Physiologie:
Muskellänge
Gelenkstellung
Kleinhirn
extrapyramidale
Motorik |
Muskelspindeln
messen die Länge der umgebenden Arbeitsmuskulatur. Auch Sehnenspindeln
sind für die nervöse Steuerung des Bewegungsablaufes wichtig:
Sie messen die Kraft, die die Arbeitsmuskulatur entwickelt. Aus beiderlei
Nachrichten, aus den Informationen über die Länge und über
die Kraft der Muskeln, berechnet besonders das Kleinhirn die Ist-Situation
des Bewegungsapparates, die Stellung und Bewegung der Gelenke, und
macht aufgrund dieser Berechnungen quasi Vorschläge für
die nächste durchzuführende Bewegung. Diese neue Bewegung
kommt wiederum durch Berechnungen des Kleinhirn zustande, wenn "von
oben", von den höheren Hirnzentren die Freigabe erfolgt
und der Bewegungsbefehl erteilt ist. Schließlich erreichen die
motorischen Signale das Rückenmark, das unter Zuhilfenahme seiner
Reflexe, in denen auch Muskelspindeln und Sehnenorgane eingebettet
sind, die Durchführungs-Befehle der Muskulatur erteilt. |
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Verteilung
von Muskelspindeln - oben: Bild 2 - |
Muskelfasertypen:
Typ I
Typ IIa
Typ IIb
oxidativ
glykolytisch |
Für dieses
komplexe Regelwerk benötigt das Gehirn Muskelspindeln und Sehnenorgane.
Diese Propriorezeptoren sind in Muskeln und Muskel-Sehnen-Übergängen
immer dort zu finden, wo die Arbeitsmuskulatur den oxidativen Muskelfasertyp
I aufweiset. Aus der Physiologie ist bekannt, daß bei Muskelaktionen
die langsamen oxidativen Typ I - Muskelfasern vor den schnellen oxidativ-glykolytischen
Typ IIa - Muskelfasern angespannt werden, während die schnellen
ausschließlich glykolytischen Typ IIb - Muskelfasern nur bei
schnellen kraftvollen Kontraktionen rekrutiert werden. Da die Propriozeptoren
den stets arbeitenden Typ I - Muskelfasern in der Verteilung folgen,
können sie jede Längen- oder Kraftveränderung der umgebenden
Muskulatur registrieren. |
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Verschiedene
Muskelfaserarchitektur - oben: Bild 3 - |
Muskelfaser-Architektur:
gleichmäßig
kompartimentiert
ausgegliedert |
Manche Muskeln
weisen eine mehr oder wenige gleichmäßige Verteilung der
langsamen Typ I - Muskelfasern auf. Muskelspindeln und Sehnenorgane
liegen dann auch meist im ganzen Muskel verteilt. Ein Beispiel hierfür
sind die kleinen, suboccipitalen Nackenmuskeln. Viele Muskeln besitzen
aber eine ungleichmäßge Verteilung ihrer unterschiedlichen
Muskelfasertypen. Bei so kompartimentierten Muskeln befinden sich
die Muskelspindeln und Sehnenorgane in dem, im Anschnitt besonders
rot erscheinenden Anteil, der als das "sensorisches Kompartiment"
bezeichnet wird. Beispiele hierfür sind der M. biceps brachii,
dessen Caput longum sehr viele Typ II - Muskelfasern enthält,
und dessen Caput breve in den knochennahen Abschnitten überwiegend
Typ I - Muskelfasern aufweist.
Manche Muskelgruppen gliedern dieses sensorische Kompartiment sogar
als eigenen kleinen, parallelgeschalteten Muskel aus. Diese kleinen
Muskeln, so nimmt man an, sind die "Monitormuskeln" oder
"kinaesiologische Monitoren". |
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Beispiel:
M. plantaris beim Menschen - oben: Bild 4 - |
Mensch
M. plantaris:
3,71 MSP /g
M. triceps surae:
0,67 MSP / g |
Besonders kleine
Muskeln in Gelenknähe, die parallel zu großen Muskeln gleicher
Funktion angeordnet sind, sind verdächtig, solche Monitormuskeln
zu sein. Als Beispiel für den Menschen geben Peck et al. (1984)
den M. plantaris an, der gemeinsam mit dem M. triceps surae u.a. eine
Plantarflexion des Fußes ausführt. Dieser Muskel besitzt
eine unerwartet hohe Zahl Muskelspindeln pro Gramm Muskel (3,71 Muskelspindeln/g),
die um ein Vielfaches diejenige des M. triceps surae (0,67 Muskelspindeln/g)
übertrifft. Bei Dorsalextension des Fußes beträgt
die relative passive Längenänderung und deren Geschwindigkeit
im M. plantaris etwa das Dreifache derjenigen des M. gastrocnemius.
Da Muskelspindeln auf Längenänderung und deren Geschwindigkeit
antworten, qualifiziert sich der rezeptorreiche M. plantaris als kinaesiologischer
Monitormuskel für Stellungsänderungen, besonders für
Dorsalextensionen, im oberen Sprunggelenk. |
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Weitere
Beispiele - oben: Bild 5 - |
M. supinator
M. pron. quadr.
Mm. lumbricales
M. piriformis
Mm. gemelli
M. popliteus
m. plantaris
M. artic. coxae
M. artic. genus
M. tenuissimus |
Für den
Menschen kann man vermuten, daß der M. supinator, der M. pronator
quadratus, die Mm. lumbricales, der M. piriformis, die Mm. gemelli,
der M. popliteus und der schon erwähnte M. plantaris als Monitormuskeln
fungieren. Beim Tier sind neben dem M. popliteus auch andere Monitormuskeln
beschrieben worden: beim Hund ist ein M. articularis coxae, bei verschiedenen
Spezies als M. iliofemoralis bekannt, der vom Pfannendach zum Trochanter
minor verläuft und parallel zum M. iliopsoas die Hüfte beugt.
Beim Menschen tritt dieser nicht als separater Muskel auf, sondern
bildet im M. iliacus die tiefste Portion, die zumeist tief rot im
Präparat erscheint und mikroskopisch zahlreiche Muskelspindeln
aufweist. Ebenfalls beim Hund scheint der M. articularis genus, der
das Knie parallel zum M. quadriceps femoris streckt, ein Monitormuskel
zu sein. Ein weiterer Monitormuskel bei verschieden Tieren ist wahrscheinlich
der M. tenuissimus, der, auch als M. tensor fasciae cruris oder M.
abductor cruris caudalis bezeichnet, von caudalen Sakralwirbeln entspringt
und zur Tibia und zur Fascia cruris zieht. |
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Das
Konzept des Monitormuskels |
cave:
Konzept ! |
So folgt die
Verteilung der Muskelspindeln und Sehnenorgane einem anatomisch-funktionellen
Prinzip: Bei Muskeln mit gemischten Muskelfaserverteilungen sind sie
eher ubiquitär, bei kompartimentierten Muskeln sind sie im sensorischen
Kompartiment, und bei kleinen und kleinsten Muskeln, die parallel
zu großen Muskeln gleicher aktiver Funktion angeordnet sind,
machen sie die Hauptmasse des Muskelfleisches aus. Hierbei muß
allerdings berücksichtigt werden, daß alle Angaben über
Rezeptor-Verteilungen zwangsläufig auf sehr geringen Untersuchungszahlen
aufbauen: Besonders von den, für mikroskopische Untersuchungen
riesigen, menschlichen Muskeln liegen noch immer viel zu wenige Daten
vor, um ganz sicher zu sein, daß dieses Konzept mehr als ein
Konzept ist. |
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Wie
lernen? |
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Für Lernende
sei gesagt, daß zunächst ein kleiner Muskel, von dem eine
Monitorfunktion vermutet werden kann, in seiner aktiven Funktion gelernt
werden sollte, als sei er ein ganz gewöhnlicher Muskel. Die passive
Funktion, also die Bewegung, die zu einer Dehnung des Muskels führt,
ist die Bewegung, die der Monitormuskel dem ZNS meldet.
Beispiel einer Muskelkarte (vom Menschen):
M.
plantaris |
| U: |
proximal
des Condylus lateralis femoris,
Kniegelenkskapsel |
| A: |
mit langer
Sehne an der Medialseite des Calcaneus,
parallel zum M. triceps surae |
| I: |
N. tibialis
(S1-S2) |
| F: |
(aktiv)
Flex IR (Knie), plantarFlex Sup (OSG / USG)
(passiv) Ext AR (Knie), dorsalExt Pro (OSG / USG) |
| Die
Zeile "F: (passiv)" gibt die Monitorfunktion
an. |
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Die
"Schöpfer" des Konzepts vom Monitormuskel: |
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Amonoo-Kuofi
HS (1989) Morphology of muscle spindles in the human popliteus muscle
- Evidence of a possible monitoring role of the popliteus muscle in
the locked knee joint? Acta anat (Basel) 134:48-53.
Peck D, Buxton DF, Nitz A (1984) A comparison of spindle concentrations
in large and small muscles acting in parallel combinations. J Morphol
180:243-252. |
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| Mehr
zur Muskulatur: |
eine sehr lehrreiche
und interessante Seite von dem engagierten Sportdozenten Ralf Dober:
http://www.sportunterricht.de/lksport/
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